Merbold
Vorschau
Müller-Uri

 

Wissenschaftsastronaut Ulf Merbold feiert am

 

 

20. Juni seinen 75. Geburtstag

 

Mit drei Flügen ins Weltall ist er deutscher Rekordhalter unter den Raumfliegern

 

Im Morgenrauen des 22. Januar 1992 wurde die in ein Lichtermeer getauchte "Discovery" auf der Abschussrampe von der "Press Site" aus im Spaceports in Cape Canaveral/Florida sichtbar. Über Monitore wurden die Pressevertreter auf dem Laufenden gehalten, was in der Raumfähre passiert. Die Crew war zu dieser Zeit bereits an Bord mit dem schwierigen Ankleiden beschäftigt, unter ihnen der im thüringischen Vogtland geborene Wissenschaftsastronaut Dr. Ulf Merbold.

 Starre Gesichter unter den Fernseh- und Pressleuten, als neun Minuten vor dem geplanten Start der Countdown  aufgrund von Witterungsproblemen unterbrochen werden musste. Nach geraumer Zeit wurden die Starvorbereitungen fortgesetzt. Ein erneuter Stopp bei 5 Minuten. Nach einigen Minuten bangen Wartens bewegten sich die Sicherheits- und Zugangsarme  langsam vom Shuttle weg.

8.53 Uhr hob die Rakete samt Raumfähre unter ohrenbetäubendem Knattern ab. Die etwa drei Meilen entfernte Pressetribüne vibrierte, die Erde begann unter den Füßen zu beben. Wenige Sekunden später war nur noch ein kleiner, hell leuchtender Körper am Firmament zu sehen, zurück blieb eine riesige Rauchfahne. Von den Tribünen - eine war für die Angehörigen vorbehalten - wurde der gelungene Start mit Beifall begleitet. Einen ebenso erfolgreichen Start legte bereits neun Jahre zuvor am 26. November 1983 die Raumfähre "Colubmia" mit Dr. Ulf Merbold als ersten Raumfahrer der Bundesrepublik und fünf weiteren Raumfahrern an Bord des Shuttles vor, mit dem das europäische Raumlabor Spacelab zum ersten Mal ebenfalls vom amerikanischen Raumfahrtzentrum in Cape Canaveral in den Orbit getragen wurde.  In Vorbereitung dieser Mission  bewarben sich bei der

ESA 2000 Wissenschaftler, darunter 600 aus der Bundesrepublik. Von den zwölf Auserwählten blieben neben dem Physiker Dr. Ulf Merbold nur noch zwei in der engeren Auswahl.

Anfang Oktober 1994 brach Merbold mit dem Raumschiff Sojus TM-20 zu seinem dritten Raumflug auf. Einen Monat lang arbeitete er als erster ESA-Astronaut auf der russischen Raumstation Mir und absolvierte den bis dahin längsten Aufenthalt eines Westeuropäers im All. In Vorbereitung dieser Mission wurde er vom ersten Deutschen Raumfahrer, Dr. Siegmund Jähn, beraten.

 

Viele raumfahrtbegeisterte Vogtländer erinnern sich noch gern an das Raumfahrertreffen mit

dem Astronauten Dr. Ulf Merbold und dem Kosmonauten Dr. Siegmund Jähn, das vom

17. bis 18. April 1990 in Greiz stattfand. Tausende jubelten auf dem Marktplatz ihren Helden

auf dem Balkon des Rathauses zu.

 

Ulf Merbold wurde als Einzelkind eines Lehrerehepaares geboren und wuchs anfangs in  Wellsdorf, im heutigen Landkreis Greiz, auf. Im Verlaufe des zweiten Weltkrieges geriet sein  Vater in amerikanische Gefangenschaft. Nach seiner Rückkehr wurde dieser 1945 von Soldaten der Roten Armee verhaftet und in das Speziallager Nr. 2 Buchenwald gebracht, wo er drei Jahre später starb. Danach zog Ulf Merbold mit seiner Mutter in ein Haus in Greiz- Kurtschau. Er legte an der Greizer Erweiterten Oberschule sein Abitur ab, wurde aber nicht zum Studium zugelassen. Daraufhin verließ er 1960 die DDR.

Seit der Wende hält Merbold wieder engen Kontakt zur seiner vogtländischen Heimatstadt und wurde deren Ehrenbürger. Das Greizer Gymnasium, das er oft besucht,  trägt heute seinen Namen.  Mehrmals war er auch Gast in der Reihe Prominente im Gespräch.

Merbold heiratete 1969 seine Frau Birgit und hat mit ihr zwei Kinder.